Grande Traversata delle Alpi – Auf der GTA wandern wir Richtung Süden

28. September 2017   //   2 Kommentare
GTA Wandern Grande Traversata delle Alpi Rifugio Rivetti

Mit dem Erreichen des kleine Weilers Forno, startet für uns der letzte großer Abschnitt unserer Alpendurchquerung. Auf der Grande Traversata delle Alpi, der GTA wandern wir in 5 Wochen vom nördlichen Piemont bis zu den, nur einen Steinwurf vom Mittelmeer entfernten, Seealpen. Die GTA ist dabei ein ganz besonderer Fernwanderweg, welcher sich deutlich von den Vorherigen unterscheidet.

Mit zahlreichen Asphaltkilometern haben wir die großen italienischen Seen „umschifft“. Die tägliche Neuplanung der Route durch teils urbane Gebiete hat ziemlich an unseren Nerven gezerrt. Mit der Grande Traversata delle Alpi haben wir jedoch ein mehr als reizvolles Ziel vor Augen. Mitte der 70-iger Jahre von Turiner Bergfreunden ins Leben gerufen, gilt die GTA als hervorragendes Beispiel für nachhaltigen (Alpen-) Tourismus. Um der teils drastischen Abwanderung nach dem Zusammenbruch der Berglandwirtschaft entgegen zuwirken, führt sie Fernwanderer durch zahlreiche Weiler und einsame Berglandschaften.

Das Piemont ist aber nicht nur für seine tollen Bergpanoramen bekannt. Viel Wert wird ebenfalls einem guten und reichhaltigen (Abend(!)-)Essen beigemessen. Im Albergo Leone machen wir damit noch vor unserem ersten GTA-Wanderkilometer Bekanntschaft. Eingelegte Steinpilze, knack-frischer Salat, auf die Minute gegarte Pasta und zartes Schweinefilet machen uns den piemontesischen Einstieg mehr als schmackhaft. Lange sitzen wir noch mit 4 anderen GTA-Wanderern auf den Bänken vor der Herberge und lassen uns den Vino della Casa schmecken.

GTA Wandern Grande Traversata delle Alpi
Der kleine Weiler Campello Monti

Die ersten Schritte auf der GTA wandern

Unsere ersten Schritte auf der Grande Traversata delle Alpi führen uns über einen Zustiegsweg nach Campello Monti. In diesem Weiler leben seit Jahrzehnten nur noch im Sommer einige Menschen. An der Bremsenplage, die an diesem Morgen über uns herfällt, wird das aber wohl kaum gelegen haben. Die lästigen Biester wirken wie ein Aufstiegsbeschleuniger. Nach etwa 3 Stunden stehen wir auf der 1924 Meter hohen Bocchetta di Campello und sind verwundert.

Uns wurde die GTA immer als einsamer, menschenleerer Fernwanderweg beschrieben. Während den ersten Kilometern auf ihr haben wir jedoch mehr Weitwanderer kennengelernt, als in allen anderen Gebieten der Alpen zusammen. Zudem waren fast alle deutschsprachig. Bei unserer Mittagspause lernen wir Dak und Tak etwas näher kennen. Beide um die sechzig und seit mehr als 17 Jahren jeden Sommer für 5 Monate auf Wandertour. Insgesamt um die 30.000 Kilometer haben sie somit schon gesammelt. Noch eindrucksvoller wird die Zahl, als ich auf ihre 20 Kilo schweren Rucksäcke blicke…

Von der Bocchetta führt ein schmaler Pfad über Alpenwiesen und an einigen kleinen Weilern vorbei, ehe wir am frühen Nachmittag Rimella erreichen. Da im Albergo Fontana selbst kein Bett mehr frei ist, werden wir kurzerhand in ein benachbartes Gebäude geführt, wo wir in uriger Atmosphäre auf zwei überraschend bequemen Klappbetten nächtigen. Obwohl wir am Vorabend mit einem 12-gängigen Abendessen verwöhnt wurden, startet der nächste Morgen schlecht.

GTA Wandern Grande Traversata delle Alpi
Auf der GTA wandern wir nach Rimella

Claudia ist mit einer Entzündung im rechten Auge aufgewacht und neben den Schmerzen, extrem lichtempfindlich. Ein paar Augentropfen später, hat sich der Zustand des Auges leicht verbessert. Mit zwei Sonnenbrillen und meiner Kappie bewaffnet, entscheiden wir uns somit trotzdem für einen Aufbruch. Da die nächsten Etappen recht kurz sind, versuchen wir es einfach. Über den Weiler Roncaccio und die Alpe Res geht es zur Alpe Baranca und unserer ersten (Berg-)Hütte auf der GTA. Auch hier werden wir in beeindruckender Landschaft kulinarisch mehr als verwöhnt. Neben dem grandiosen Abendessen, freuen wir uns auch über das Abklingen der Augenentzündung.

Das Monte Rosa Problem

Nach dem Verzehr des süßen Frühstücks, starten wir Tags darauf zu einem weiteren Walserdorf. Vorbei an einsamen Seen und verlassenen Bergdörfern wandern wir in der Morgensonne über breitere Mulatierras dem Col d’Egua entgegen. Er soll einen ersten Ausblick auf das gewaltige Monte-Rosa-Massiv ermöglichen. Darauf freue ich mich schon den ganzen Vormittag, da es neben der höchsten Alpenhütte auch 12 Gipfel über 4000 Meter vereint. Es einmal aus nächster Nähe zu erblicken war mein großer Wunsch.

Als wir jedoch kurz vor zehn am Pass stehen, hat sich das bekannte Massiv leider mit einer dicken Wolkendecke verhüllt. Die unteren Gletscherbereiche sind zu erahnen, aber von Gipfelblicken kann nicht die Rede sein. Also verbringe ich den restlichen Abstieg nach Carcoforo mit Esel- und Maultierstreicheln, anstatt Monte-Rosa Aussichten.

Charakter der GTA Wanderung

Die folgenden Wandertage bis nach Alagna, charakterisieren die Grande Traversata delle Alpi sehr gut. Nach dem Frühstück im Tal gelegenen Posto Tappa (den Herbergen im Lagerstil auf der GTA) sind über 1000 Höhenmeter an Aufstieg angesagt. Die legen wir meist bei schönstem Wetter und Sonnenschein zurück. Am Pass, der Scharte oder dem Sattel angekommen, sind häufig Wolken aufgezogen und vernebeln teilweise die Sicht. Aber nicht nur die Sättel müssen sich mit Vernebelung herumschlagen, sondern auch das Monte-Rosa-Massiv. So geht es ohne Aussicht auf die höchsten Berge der Alpen wieder mehr als 1000 Höhenmeter in das nächste Walserdorf im Tal. Dort wird dann entweder im Zelt, dem Posto Tappa oder einer anderen Herberge genächtigt.

Der nächste Tag schickte sich an, dem gleichen Muster zu folgen. Mit der Ausnahme eines kleinen Umweges. Am Rifugio Ferioli steigen wir 300 Höhenmeter weiter empor und begeben uns zu einem kleinen Aussichtssattel. Dort liegt nun keine Bergkette mehr zwischen uns und den gewaltigen Südabstürzen des Monte Rosa. Auch wenn es kein wolkenloser Mittag ist, bekommen wir durch die ein oder andere Wolkenlücke einige Gipfel zu Gesicht. Ein wahrlich eindrucksvoller Anblick und ein versöhnlicher Abschied von dem zweithöchsten Gebirgsmassiv der Alpen.

GTA Wandern Grande Traversata delle Alpi Monte Rosa
Eine Gipfelspitze des Monte Rosa Massivs

Das Bergsteigerdorf Alagna Valesia lassen wir links liegen und beenden die Etappe erst in Sant Antonio di Val Vogna. Seid mittlerweile einer Woche folgen wir den Rot-weiß-roten GTA Markierungen nun schon. Es folgen die ersten Lebewohls. Die vormals 8-köpfige Gruppe in der wir unterwegs sind, hat sich halbiert. Verfügbare Urlaubsmenge und Fernwanderstrecken sind sich nur selten wohl gesonnen.

Somit wandern wir ab nun nur noch in 4er Besetzung weiter. Nach vielen Wochen des zweisamen Wanderns, genießen wir die geselligen Tage und Abende mit den anderen Fernwandern momentan sehr! Auch wenn die Landschaft noch so schön ist, sind es oft die Menschen, die den Moment zu etwas einzigartigem werden lassen.

Fast schon im Flachland

Das die GTA dem italienischen Flachland gefährlich nahe kommt, wird auf den nächsten Etappen besonders deutlich. Nachdem sich nachmittags die Wolkenfront am Rifugio Rivetti gelichtet hat, wird er frei. Der Blick in die Po-Ebene. Höchsten 20 Kilometer trennen uns von dem abrupten Übergang der Alpen ins Flachland. Ein hügliges Alpenvorland sucht man hier vergebens. Die Ebene wird vor allem Nachts ersichtlich, wenn die Lichter der Großstädte und Metropolen bis tief in die verwinkelten Ecken der hohen Berge strahlen.

Auf dem Weg in die pompöse Wallfahrtstätte Oropa, komme ich mir sogar nicht mehr wie auf einer Alpenüberquerung vor. Wegen einer kurzen Schlechtwetterperiode folgen wir dem tiefer gelegenen Tracciolino und trauen auf halben Weg unseren Augen nicht mehr. Der Blick in Richtung Süden wird durch keine einzige Bergkette mehr blockiert. Einige Wälder, Städte und urbane Infrastruktur dominieren das Landschaftsbild. Ein ungewohntes Gefühl. Glücklicherweise biegen wird bald nach Osten ab und haben den gewohnten Bergblick wieder.

Heilige Maria!

Bei Blitz, Donner und Starkregen kommt am selben Abend „Name der Rose“-Stimmung in den alten Gemäuern der Pilgerunterkunft in Oropa auf. Die hohen Durchgänge werden bei jedem Blitz in gleißendem Licht erhellt. Das anschließende und unvermeidliche Donnergrollen halt den ganzen Abend noch laut durch die steinernen Gänge und Flure. Die meterdicken Mauern vermitteln jedoch einen massiven Eindruck von Geborgenheit. Im klösterlich eingerichteten Pilgerzimmer schlafe ich daher trotz Gewitter tief und fest.

Ohne Sicht, dafür mit einer Menge Wind und Nebel geht es am nächsten Tag über das Rifugio Coda bis nach Trovinasse. Während wir die letzten Tage wenig landschaftliche Ausblicke hatte, trumpft das Piemont weiterhin mit exzellenter Küche auf. Im Agriturismo Belvedere in Trovinasse bekommen wir das beste Abendessen der gesamten Wanderung präsentiert.

Gebratene Maronen, zartes Vitello Tonato, feine Agnolotti mit Pesto, gebackene Auberginen, Rosmarinkartoffeln und zahllose weitere Speisen werden uns nach und nach an den Tisch gereicht. Wer hätte gedacht, dass man beim Fernwandern zunehmen kann? Gut das der Hüftgurt noch etwas Spielraum bietet!

Da die Schwerkraft ihr Übriges tut, bewältigen wir den Abstieg nach Quincinetto ins Aostatal besonders schnell. Ohne große Pause verlassen wir das Städtchen aber auch wieder, da uns hier wenig Schönes empfängt. Mit 295 Metern über dem Meeresspiegel erreichen wir nach langer Zeit aber nochmals tieferes Fahrwasser.

1700 Aufstiegshöhenmeter später, finden wir uns auf einem wunderschönen und aussichtsreichen Sattel auf gut 2000 Metern wieder. Der Blick reicht abermals weit bis in das italienische Flachland hinein. Selbst die Landebahn des Turiner Flughafens ist in der Ferne auszumachen. Wären die Wolken weniger zahlreich, würde die Sicht bestimmt bis zum Monviso reichen.

GTA Wandern Grande Traversata delle Alpi
Wo sind die Berge hin?

Schlafmangel

Da wir regenbedingt recht spät auf diese Etappe gestartet sind, holen uns kurz nach dem Sattel schon die Gewitter in. Kräftige Donner beschleunigen unsere Schritte und den Abstieg ins Tal nach Traversella. Dort wird mir beim Abendessen zum ersten Mal die piemontesische Küche zum Verhängnis. 7 Gänge später liege ich im Bett und platze fast. Unruhig wälze ich mich von links nach rechts. Die schiere Menge an Köstlichkeiten und mein ungezügelter Appetit ließen mich maßlos werden.

4 Stunden schlechter Schlaf später, zeigt sich aber erst das richtige Dilemma. Denn heute gilt es 1350 Aufstiegshöhenmeter zu bewältigen. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie ich es trotz Schlafmangel und chronischer Übelkeit auf die Bocchetta delle Oche geschafft habe. Uns verfolgende Jung-Bullen könnten dabei aber eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.

Mehr oder weniger ausgeschlafen betreten wir am nächsten Tag den Gran Paradiso Nationalpark. Heute ist Ferragosto. Der 15. August ist einer der wichtigsten italienischen Feiertage. Darum wundert es uns auch nicht, als wir in Ronco erst einmal die große Parade passieren lassen müssen, um unseren Weg fortsetzen zu können. Nach einer kleinen Fahrstraße und einigen Weilern, mündet die GTA in freies Almgelände. Am Colle Crest angekommen, bewundern wir zum ersten Mal die markanten Umrisse des 3841 Meter hohen Monviso. Der „sichtbare Berg“ ist der südlichste Gipfel über 3500 Meter in den Alpen und wird uns die kommenden Wochen als Wegweiser dienen.

Am Morgen mussten wir uns leider auch von den letzten beiden liebgewonnenen Mitwanderern verabschieden. Waren wir dort noch froh weiter wandern zu können, beneiden wir am Nachmittag die Beiden doch sehr darum, in ihren eigenen Betten schlafen zu können. Denn das Posto Tappa in Talosio ist alles andere als sauber, gemütlich oder gastfreundlich. Und genau diesen Ort haben wir uns für unseren Pausentag ausgesucht…

Warst Du auch schon einmal auf der GTA Wandern?
Was waren deine Erfahrungen?

Soweit für den achten Teil des Wander Berichtes unserer Alpenüberquerung von Wien bis nach Nizza. In den nächsten Wochen kommen dann die anschließenden Teile. Momentan befinden wir uns schon wieder in der Heimat. Am 08. September haben wir nach 107 Tagen das Mittelmeer und Nizza erreicht!!!

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Zu den anderen Artikeln dieser Alpenüberquerung:

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Wer schreibt hier?

Ich bin Alex. Im Sommer 2014 habe ich meine 7 Sachen gepackt und bin auf der Suche nach einer Auszeit auf dem Traumpfad von München nach Venedig über die Alpen gewandert. Nach diesen 34 Tagen waren die Berge und das (Fern-)Wandern einfach nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Heute bin ich immer dann am glücklichsten, wenn der Rucksack gepackt ist und ich wieder auf Tour gehe. Ich bin chronisch neugierig, interessiere mich für fast alle Arten von Outdoor-Ausrüstung und Outdoor-Tipps. Und das was ich dabei so alles lerne, möchte ich mit Dir hier auf BergReif teilen!

2 Kommentare

  1. Hi Alex!

    Wahnsinns-Tour! Beeindruckende Wege und Panoramen, da bekomme ich sofort wieder Lust auf die Alpen…
    Hat sehr viel Spaß gemacht, eure Tour zu verfolgen und bin schon auf die letzten Berichte gespannt!

    LG Thomas

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