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Trekkingstöcke Test: Carbon vs. Aluminium

Geschrieben von: Alex und aktualisiert am 30. Oktober 2019

Trekkingstöcke gibt es in vielen verschiedenen Varianten von unterschiedlichen Herstellern. Standardmäßig werden die Stöcke aus dem leichten und vergleichsweise relativ günstigen Metall Aluminium gefertigt. Nun werden aber seit einiger Zeit auch Verbundmaterialien wie Carbon zu deren Herstellung verwendet. Sie sollen dadurch deutlich leichter geworden sein als ihre Kollegen aus Aluminium, sind jedoch auch spürbar teurer. Rechtfertigt das Leichtgewicht den gestiegen Preis?

Ein Paar Aluminium Teleskop Trekkingstöcke wiegt ungefähr zwischen 400 – 600 Gramm, je nach Modell. Vergleichbare Teleskopstöcke aus Carbon kommen auf circa 300 – 400 Gramm. Ergibt also maximal einen Gewichtsunterschied von 300 Gramm zwischen den beiden Materialien. Aber nackte Zahlen helfen einem bei so einem Vergleich oft nicht weiter. In diesem Trekkingstöcke Test möchte ich die Unterschiede der beiden Varianten einmal etwas genauer beleuchten.

Trekkingstöcke Test: Hauptsache stabil

Fakt ist, dass sich Trekkingstöcke aus Carbon nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Hand definitiv leichter anfühlen als ihr Konkurrent aus Aluminium. Und da man auf langen Wandertouren kein unnötiges Gewicht mitschleppen möchte, ist dies auf jeden Fall von Vorteil.
Aber die Wanderstöcke sollen in erster Linie nicht ultraleicht sein, sondern den Wanderer im Auf- und besonders im Abstieg entlasten. Und da beide Materialien eine ausreichende Steifigkeit besitzen, erfüllen sie diese Aufgabe auch ähnlich gut. Carbon ist zwar etwas verwindungssteifer als Aluminium, aber ob man diesen Unterschied im Einsatz spürt, gilt zu bezweifeln.

Trekkingstöcke Test Carbon Aluminium

Verletzungsgefahr bei Bruch

Den großen Vorteil von Aluminium Trekkingstöcken* sehe ich darin, dass sie sich unter zu großer Belastung verbiegen. Das klingt jetzt erstmal nicht wirklich nach einem Vorteil. Aber im Vergleich zu dem was mit einem Carbonstock bei Überlastung passiert, ist es dann doch einer. Denn wird Carbon einer zu großen Last ausgesetzt, zerbricht es. Und dann entstehen scharfkantige Splitter und Stockreste, an denen man sich leicht verletzten kann. Einen verbogenen Aluminiumstock hingegen kann man mit ein bisschen Geschick schnell wieder in einsatzbereite Form bringen. Die Teleskop-Funktion mag dann zwar beeinträchtigt sein, aber man kann meistens die Wanderung noch beenden.

Mir persönlich ist es dieses Jahr schon mehrere Male passiert, dass ich meinen Wanderstock leicht verbogen habe. Meist bin ich dabei mit ihm zwischen zwei großen Steinen hängen geblieben. Eventuell bin ich da aber auch etwas ungeschickt.

Lesetipp: Im sehr ausführlichen Wanderstöcke Vergleich des Jahres 2019 findest Du noch mehr Auswahl an Teleskop- und faltbaren Trekkingstöcken!

Ob es jetzt beim Skifahren oder Wandern war, ich bin bis heute mit Aluminium Stöcken immer gut gefahren. Und obwohl sie faktisch schwerer sind, habe ich nie das Gefühl gehabt, dass sie zu schwer wären. Selbst bei 10-stündigen Tageswanderungen in den Alpen war das Letzte woran ich gedachte habe, dass meine Trekkingstöcke zu schwer sind.

Wanderstöcke: Welches Exemplar?

Ich habe nun seid mehreren Jahren viele Wanderstöcke im Einsatz gehabt. Das folgende Exemplar kann ich persönlich sehr empfehlen. Es ist robust, leicht, garantiert guten Halt und hält selbst meinem Gewicht (1,97m Körpergröße und 93kg) sehr gut stand.

Vor- und Nachteile von Aluminium und Carbon Trekkingstöcken im Überblick:

Aluminiumstöcke*

Carbonstöcke*

+ günstig + extrem leicht
+ leicht + hohe Steifigkeit
+ kaum Verletzungsgefahr bei
Überlastung
– bei Bruch Verletzungsgefahr
– schwerer als Carbonstöcke – teuer

Carbon entwickelt sich weiter

Seit ein paar Monaten habe ich jedoch ein paar Carbon Trekkingstöcke im Test. Genauer gesagt die SWIX Sonic Pro Trail Carbon. Und entgegen meinen ersten Zweifeln haben sich die ultraleichten Stöcke wirklich bewährt. Selbst alpinem Gelände, matschigen Pfaden und einigen Stolperern haben sie problemlos standgehalten. Der Stock ist deutlich robuster, als ich es dem Material Carbon anfangs zugetraut hätte. Den vollständigen Testbericht zu den Carbon Trekkingstöcken findest Du in diesem Artikel.

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Geschrieben von Alex

BergReif Author Alex

Gepackte Rucksäcke, lange Wanderungen und zackige Bergpanoramen bereiten Alex die größte Freude. Mit dem 550 km langen Traumpfad München Venedig startete 2014 seine Weitwander-Leidenschaft. Neben zahlreichen Touren in den Alpen, den deutschen Mittelgebirgen und auf den Balearen, stand 2017 seine längste Fernwanderung an. Mit seiner Freundin begab er sich auf eine 1900 km langen Alpendurchquerung von Wien bis nach Nizza. Über 4 Monate waren nur die beiden Rucksäcke ihr Zuhause. Mittlerweile ist er am liebsten in den Schweizer Alpen sowie dem Hochschwarzwald unterwegs und leitet die Ultraleicht Rucksack Manufaktur WeitLäufer.

5 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen hilfreichen Artikel!
    Ich glaube, ich werde angesichts des niedrigeren Verletzungsrisikos bei Überlastung doch eher zu Aluminiumstöcken greifen. Und die paar Gramm mehr sind langfristig wahrscheinlich nicht so sehr spürbar.

  2. Ich weiß ja nicht was Du so beim wandern oder Trekking machst, aber ich habe es noch nie geschafft Carbonstöcke zum bersten zu bringen, und das mit jetzt noch 110 kg Körpergewicht (ohne Rucksack)…;-)
    Gruß Jan

    1. Hi Jan,

      das habe ich auch nicht ;)
      Es war damals nur so eine unbegründete Angst meinerseits. Mittlerweile habe ich meine Carbonstöcke schon länger als 2.000 Wanderkilometer unbeschadet im Gebrauch.

      LG Alex

  3. Servus Alex!

    Ich habe meine Stöcke Swix Trail Pro, also die gleichen wie Du, seit zwei Jahren im Gebrauch (125cm).
    Leider habe ich mittlerweile den 3. Bruch. 1. das unterste Element brach einfach bei leichtem Anschlagen an einen Stein bei einem Wiesenweg, ähnlich wie wenn Glas bricht, kompletter Querbruch etwa in der Hälfte des untersten Segments ohne Verklemmen oder Belastung. 2) Beim Bergabgehen in leichtem Gelände Bruch der Verbindungsstelle, hier war es die Aluminiumhülse die gebrochen war.
    Dann gab es ein Bergjahr keine Probleme, und nun wieder beim Bergabgehen Splitterbruch im mittleren Segment. Also die Dinger sind völlig unberechenbar und ich vertraue ihnen nicht mehr.
    Allerdings bei der Reklamation in meinem sehr zuvorkommenden Bergfachgeschäft habe ich gesehen, daß die Stöcke mittlerweile anders aussehen und im Bereich der Hülsen offensichtlich anders gebaut werden. Also vielleicht sind die Stöcke nun robuster.
    Ich hatte bei keinem Bruch irgendwie den Eindruck das war jetzt besondere Belastung, sondern es war immer sehr überraschend. Daher gabe es zum Glück auch keine Probleme wenn der Stock plötzlich nachgibt, also ich gestürzt wäre, weil mein künstliches Bein weg ist. Bei mancher besonderer Belastung also zB bei Stolperern dachte ich mir dafür oft, toll was die Stöcke aushalten, da haben sie sich zum Teil ganz schön verbogen.
    Durch das leichte Gewicht lassen sie sich sehr präzise und ohne Kraft an den richtigen Zielpunkt setzten. Trotzdem bin nicht 100% überzeugt. Der Kork hält auch nicht zu viel aus. Zum Glück gibt es lebenslange Garantie.

    186 90kg

    1. Hi Bernhard,
      danke für das Teilen deiner Erfahrungen. Ärgerlich, dass Du so häufig einen Bruch hattest.
      Ich habe noch letzte Woche gedacht, dass ich wirklich überrascht bin, wie lange meine Swix Stöcke jetzt schon halten. Das Kork ist wirklich zum großen Teil abgebröckelt, ist für mein Empfinden aber dennoch das angenehmste Material für Stockgriffe. Falls sie dennoch mal den Geist aufgeben, werde ich aber wohl die Black Diamond Carbon Z ins Auge fassen. Meine Freundin ist damit auch sehr zufrieden.

      Viele Grüße,
      Alex

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