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Zelten im Winter – So bleibst Du selbst bei Minusgraden schön warm im Schlafsack!

von // 23-November-2015 // 2 Kommentare
Zelten im Winter Wintercamping Outdoor Blog BergReif

Die lauen Sommernächte sind nun leider seid einiger Zeit vorbei, der Winter steht in den Startlöchern und hat einiger Orts schon mit kräftigen Schneefällen für winterliche Landschaften gesorgt. Das heißt für die meisten: Die Trekking- und Wandersaison ist beendet. Aber warum denn eigentlich? Nur weil es kalt wird? Denn einige Wanderwege sind auch bei ein bisschen Schnee noch problemlos begehbar und auch Zelten im Winter ist ebenfalls noch möglich! Wild Zelten und Wildcampen wird mangels des natürlichen Sichtschutzes der Blätter zwar etwas einsichtiger. Abhalten sollte uns das dennoch nicht, die Natur mit einer Übernachtung im Freien auch während der kalten Jahreszeiten zu genießen.

Stichwort Genießen. Bei Minus 3 Grad im Zelt fällt dieses Wort wahrscheinlich nur den wenigsten ein. Aber mit der richtigen Ausrüstung und Technik wird das Zelten im Winter deutlich angenehmer. Ein zentraler Gegenstand ist dabei der Schlafsack! Und mit diesem möchte ich meine 7 Tipps für warme Nächte im Zelt beginnen.

Noch eine kleine Anmerkung zu Beginn: Diese Tipps gelten natürlich für jede Jahreszeit. Denn auch im Sommer kann es sehr kalte Nächte geben. Je nachdem wo Du dich gerade befindest.

Tipps für das Zelten im Winter:

1. Verwende keinen zu großen Schlafsack!

Der Schlafsack sollte gut auf deine Körperform zugeschnitten sein und nicht zu groß ausfallen. Denn wenn Du in einem zu großen Schlafsack liegst, hast Du einige Bereiche mit viel Luft um deinen Körper. Diese Luft versucht der Körper zu erwärmen und verliert somit an Energie und Körperwärme. Deshalb besorg dir immer einen gut passenden Schlafsack.

Von einigen Outdoorherstellern gibt es für Frauen spezielle Schlafsäcke *, die an die unterschiedlichen Körperformen des weiblichen Geschlechts angepasst sind. Da Frauen auch schneller zum frieren neigen, sind diese außerdem etwas dicker gefüttert.

Wenn Du schon einen guten Schlafsack besitzt, dieser aber leider etwas zu groß ist, dann kannst Du eine Sache versuchen, um die Hohlräume zu minimieren: Stoffe deine Wechselwäsche und deine andere Bekleidung, die Du nicht am Körper trägst, in die Zwischenräume. So verkleinerst Du das Luftvolumen im Schlafsack und kühlst nicht so schnell aus.

Wichtig ist jedoch, dass Du im Schlafsack nicht mit deinen Füßen am Ende anstößt. Dann ist der Schlafsack nämlich zu klein und deine Füße kühlen deutlich schneller aus.

Wenn Du einen Schlafsack hast, der leider nicht ganz den Temperaturbereich abdeckt, in welchem Du im Winter zelten möchtest, dann musst Du nicht zwingend ein dickeres Exemplar kaufen. Du kannst beispielsweise als zusätzliche Schicht eine ultraleichte Daunenjacke oder Primaloft Jacke Nachts im Schlafsack tragen, um warm genug zu bleiben.

Anmerkung zur Schlafsack-Wahl: Daune* vs Kunstfaser*:

Bei gleiche Wärmeleistung ist ein ultraleicht Schlafsack mit Daunenfüllung deutlich leichter gegenüber dem Kunstfaser Pendant*. Außerdem lässt sich das Daunenprodukt besser komprimieren und fühlt sich meiner persönlichen Meinung nach erheblich angenehmer auf der Haut an. Jedoch sind Daunenschlafsäcke teurer als Kunstfaserschlafsäcke. Der größte Nachteil besteht aber in der extrem nachlassenden Wärmeleistung im nassen Zustand.

Kunstfaser-Exemplare wärmen wenn sie nass sind noch mit circa 70% 1 , Daunen jedoch kaum noch! Daher ist es wichtig, einen Daunenschlafsack immer so trocken wie möglich zu halten und ihn nach dem Schlafen (wenn möglich) mindestens eine halbe Stunden an der frischen Luft auslüften zu lassen.

2. Gut isolierende Isomatte beim Zelten im Winter

Genauso wichtig wie ein guter Schlafsack beim Zelten im Winter, ist eine gut isolierende Isomatte. Denn sehr viel Wärme geht über den Boden auf dem wir liegen verloren. Die dünne Lage an Zeltboden schirmt die Wärme unseres Körpers kaum ab. Daher brauchen wir besonders im Winter eine vernünftig isolierende Isomatte.

Aber wie misst man denn Isolationsleistung?

Die Isolationsleistung von Isomatten wird mit dem Wärmedurchgangswiderstand charakterisiert2. Vereinfachend R-Wert genannt. Je größer der R-Wert, desto besser isoliert die Isomatte gegen den kalten Boden von unten. Meine geliebte und ultraleichte Therm-A-Rest Z-Lite hat einen R-Wert von 2.2 und ist daher leider nur bedingt für das Zelten im Winter geeignet. Für das Wintercamping sind R-Werte oberhalb von 4 daher deutlich besser.

Wenn Du ultraleicht im Winter unterwegs sein möchtest, dann schau dir die Therm-A-Rest NeoAir XTherm* mal genauer an. Sie ist zwar nicht billig, aber hat mit einem R-Wert von 5.7 genügend Reserven auch für die ganz kalten Nächte. Und mit 430g ist sie dabei immer noch sehr leicht!

Wenn Du knapp bei Kasse bist: Kleidung, Regenbekleidung und Packsäcke unter der Isomatte können die Isolationsleistung leicht erhöhen, aber keine Wunder vollbringen. Empfehlen kann ich Dir dieses Vorgehen daher nicht.

Passend für den Winter:

Thermo Wandersocken

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ab 15,90EUR

Fleece Pullover

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24,95EUR

Thermo Unterwäsche

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ab 72,90EUR

Merino Unterwäsche

Merino Ski Unterwäsche

45,00EUR

3. Geh vor dem Schlafen aufs Klo

Gerade beim Zelten im Winter gibt es gute Gründe vor dem schlafengehen, unnötigen Ballast loszuwerden. Zum einen kann ich mir Schöneres vorstellen, als mitten in der Nacht aus dem warmen Schlafsack in die eisige Nacht hinaus zu tapsen, um mein Geschäft zu verrichten. Und zum anderen, muss die Flüssigkeit in deiner Blase zusätzlich warm gehalten werden. Das kostet wertvolle Energie, die dann möglicherweise zum warmhalten des restlichen Körpers fehlt.

Zelten im Winter Outdoor Blog

4. Gesättigt ins Zelt

Wenn Du hungrig ins Bett gehst, dann hat dein Körper in der Nacht nicht genügend Energiereserven, um Dich angenehm warm zu halten. Erwiesenermaßen friert man im hungrigen Zustand schneller. Wenn dir also der Magen knurrt, dann höre auf ihn und iss eine ordentliche Portion.

Gut bei kalten Nächten ist energiereiche Trekkingnahrung, aber auch Nüsse und Schokolade sind willkommene Energiebomben. Wie ich in meinen kürzlich veröffentlichten Tipps gegen Kälte geschrieben habe, sind scharfe Gewürze im Essen bzw. im Tee ebenfalls sehr effektiv, um sich nachts warm zu halten. Gewürze wie Ingwer, Chili usw. regen den Kreislauf nochmal so richtig an. So gelangt das warme Blut nochmal in alle Extremitäten.

vegetarische Trekkingnahrung Mountain House Zelten im Winter Outdoor Blog

5. Lange Unterwäsche anziehen

Klingt sehr einfach und ist auch genauso effektiv. Denn im Schlafsack können wir genauso das Zwiebelprinzip anwenden, wie sonst in jeder Situation auch. Lange Merino Unterwäsche oder funktionelle Skiunterwäsche ist als untere Basisschicht gut geeignet. Darüberhinaus kannst Du dann je nach Temperatur und persönlichem Kälteempfinden weitere Schichten anlegen. Fleecejacke, Hardshell oder die dicke Daunenjacke können in wirklich frostigen Zeiten wahre Wunder bewirken!

Du suchst noch eine leichte und warme Isolationsjacke? Wie wäre es hiermit:

Ganz wichtig: Nicht die Füße vergessen! Kalte Füße sind besonders unangenehm und sollten möglichst vermieden werden. Denn wenn Du auf Wander- bzw. Trekkingtour unterwegs bist, dann solltest Du deine Füße besonders gut behandeln. Für die Frostbeulen oder für arktische Bedingungen gibt es sogenannte Daunen Booties *. Die wie übergroße Hausschuhe geformten Booties sind mit Daunen gefüllt und halten deine Füße auch weit unter dem Gefrierpunkt noch mollig warm!

Zelten-im-Winter-Down-Booties

6.  Inlett bzw VBL im Schlafsack

Mit einem Schlafsack Inlett * kannst Du noch ein paar Grad an Wärmeleistung dazu gewinnen. Das Inlett gehört, wie der Name schon suggeriert, in deinen normalen Schlafsack hinein und gibt dir eine zusätzliche Lage im Sinne des Zwiebelprinzips. Dadurch wirst Du einen Sommerschlafsack nicht zu einem Winterschlafsack umfunktionieren können, aber ein bisschen kannst Du die Komforttemperatur deines Schlafsack dennoch nach unten drücken.

Sinnvoller ist es jedoch erst einmal eine weitere Lage an Unterwäsche oder Fleece anzuziehen. Das bringt dir im Endeffekt mehr Wärme und den Vorteil, dass Du dich morgens früh nicht komplett in der Kälte anziehen musst.

Hilfreich beim Zelten im Winter: Vapour Barrier Liner

Gerade bei eisigen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ist ein Vapour Barrier Liner (kurz VBL) sehr hilfreich. Besonders bei Verwendung eines Daunenschlafsacks. Und das aus folgendem Grund: Selbst bei sehr kalten Nachttemperaturen sondert unser Körper Feuchtigkeit in Form von Schweiß ab. Dringt diese Feuchtigkeit in die Daunenfüllung des Schlafsacks ein, kann sich dessen Wärmeleistung enorm verringern. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt kann das dramatische Folgen haben.

Ein Vapour Barrier Liner in Form eines Schlafsack Inletts verhindert genau das. Das wird durch die Verwendung von nichtatmungsaktiven Materialien realisiert. Richtig. NICHT-Atmungsaktiv. Ein Wort das in der Outdoorbranche nicht zu existieren scheint. Muss doch alles immer eigentlich super duper ultra atmungsaktiv sein… Im Falle der VBL ist das „einsperren“ von Feuchtigkeit und Wasserdampf jedoch äußerst entscheidend.

Vapour Barrier Liner bei den Bergfreunden >>

7. Den Kopf warmhalten

Wenn dein Schlafsack keine integrierte Kapuze hat, zieh Dir eine Mütze oder eine Balaklava über. Ein Buff-Tuch als untere Schicht, ist ebenfalls eine gute Idee. Zwar verliert der Mensch, entgegen der weitläufigen Meinung, nicht mehr Wärme über den Kopf als am übrigen Körper, aber unangenehm ist ein kalter Kopf trotzdem. Bei guten Schlafsäcken, wie meinem Cumulus Lite Line 400, lässt sich die integrierte Kapuze auch sehr eng am Kopf abschließen. So kann die wärme Luft im Schlafsackinneren viel schwerer entweichen.

Weitere Tipps zum Zelten im Winter

Bei Alex von Outdoorfever findest Du Tipps, wie Du dein Zelt am besten im Schnee aufbauen kannst. Hier geht’s zum Artikel!

 

Hast Du noch weitere Tipps für warme Nächte beim Zelten?
Erweiter meine Liste in den Kommentaren!

 

Quellenangaben:

  1. Deuter
  2. Therm-A-Rest

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Über Alex

Ich bin Alex. Und immer dann am glücklichsten, wenn der Rucksack wieder gepackt ist, ich alles lebensnotwendige auf meinem Rücken trage und auf Trekking- oder Wandertour gehe. Ich bin chronisch neugierig, interessiere mich für fast alle Arten von Outdoor-Ausrüstung und generell jeder Art von Outdoor-Tipps. Und das was ich dabei so alles lerne, möchte ich mit Dir hier auf BergReif teilen!

2 Kommentare

  1. Super ausführlicher Bericht! Ich trau mich noch nicht so ganz im Winter draußen zu zelten. Ich als Frostbeule frier einfach zu schnell. Aber ein Versuch wäre es zumindest mal wert, um zu testen ob ich als Frostbeule, trotzdem warm bleibe.
    Diese Daunen Booties find ich ja klasse. Bei denen glaub ich sofort, dass sie warm halten. :)
    Beste Grüße
    Conny

    1. Hi Conny,

      ich kenne das, ich brauche auch immer ne Extra-Schicht um warm zu bleiben.
      Aber dann geht das klar. Die Daunen-Booties finde ich auch ne interessante Sache,besonders für die ganz kalten Gegenden oder Tage!

      Liebe Grüße,
      Alex

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