Warum Funktionskleidung besser als Baumwolle ist

14. Oktober 2014   //   2 Kommentare
Microadventure Funktionskleidung Outdoor Blog BergReif

Wer häufig Sport treibt, oder sich viel in der Natur bewegt, sei es beim Joggen, Wandern oder Skifahren, der kommt früher oder später mit Funktionskleidung und Funktionsmaterialien in Kontakt. Diese Begriffe sind seit einigen Jahren immer häufiger in der Sport- und Outdoorbranche anzutreffen. Doch was verbirgt sich genau hinter dieser Art der Kleidung?

1. Was ist Funktionskleidung?

Funktionstextilien sind alle Materialien, welche besondere Eigenschaften in Bezug auf die Körpertemperaturregulierung bzw. das Komfortgefühl beim Sport haben. Das bedeutet, dass diese Bekleidung uns vor Witterungsbedingungen wie Regen und Kälte schützen kann und eine kontinuierliche Wasserdampfabgabe begünstigt.

Bei der Bewegung beginnt der Körper zu schwitzen und der Schweiß wird von der Kleidung aufgenommen. Ist die Kleidung komplett durchnässt, kann die Feuchtigkeit nicht abtransportieren werden und der Körper fängt an auszukühlen. Das bedeutet Stress und entzieht dem Sportler Energie und somit einen Teil seiner Kräfte.

Funktionskleidung

Um dies zu verhindern schwören viele (Berg-)Sportler auf Funktionskleidung. Dabei wird der Schweiß auf der Haut durch die Kleidung nicht so stark aufgenommen, sondern auf die Außenseite des Kleidungsstücks transportiert. Dort kann sie viel leichter verdampfen als auf der Kleidungsinnenseite. Dies führt zu einem sehr viel angenehmeren Tragegefühl, da sich die Bekleidung nicht so nass anfühlt.

Dieser Vorgang wird als Atmungsaktivität bezeichnet und in Gramm (g) Wasserdampf pro Quadratmeter (m²) über 24 Stunden gemessen (g/m²/24h) (MVTR-Wert). Dabei gilt ein Material ab 10.000 g/m²/24h als sehr atmungsaktiv. Dieser Effekt wird zusätzlich durch die geringe Trocknungszeit der meisten Funktionsmaterialien begünstigt.

Funktionskleidung Sympatex
Feuchtigkeitstransport bei Funktionsmaterialien – Quelle: Symaptex

Funktionskleidung wird am sinnvollsten in Anwendung des Zwiebelprinzips verwendet. Dabei unterteilt man die Kleidung in 3 Schichten. Zuerst die Basisschicht, dann die Isolationsschicht und abschließend die äußere Wetterschutzschicht. Detaillierte Informationen zum Zwiebelprinzip folgenden in einem separaten Artikel.

2. Vorteile/Nachteile von Funktionskleidung

Aufgrund der oben genannten Eigenschaften, ergeben sich folgende Vor- und Nachteile von Funktionskleidung:

Vorteile

Nachteile

 Schneller Abtransport des Schweiß  Bekleidung aus Merinowolle ist teuer
 Ermöglicht bessere Leistungsfähigkeit  Manche Materialien enthalten umweltschädliche Stoffe. Diese stellen ein Entsorgungsproblem dar und können langfristig ein Gesundheitsproblem darstellen, unter anderem bei Gore-Tex
 Schnelltrocknend
 Leicht
 Verringerter Schweißgeruch (Merino)
Teilweise Wasserdicht (Gore-Tex o.ä.)

3. Arten von Funktionskleidung

Basisschicht

Für die untere Bekleidungssicht, die Basisschicht*, werden häufig synthetische Materialien wie Polyester (PES) oder Polyamid (PA) verwendet. Deren Fasern nehmen nur wenig Feuchtigkeit auf, sondern transportieren diese durch das Textil hindurch.

Herkömmliche Baumwolle gilt nicht als Funktionsmaterial, da sie sehr viel Wasser einspeichert und eine geringe Atmungsaktivität besitzt. Zudem neigt Baumwolle sehr stark zur Geruchsbildung wenn sie lange mit Schweiß in Kontakt kommt. Für Baumwolle beim Wandern kann man sich generell merken: Sie ist schwer, stinkt schnell und kühlt den Körper aus wenn sie nass ist.

Isolationsschicht

Für die Isolationsschicht kommt häufig Fleece* zu Einsatz. Es besteht ebenfalls aus Polyester-Fasern und isoliert den Körper gegen Kälte. Fleece trocknet auch relativ schnell im Vergleich zu Wolle und ist zudem leichter.

Wetterschutzschicht

Funktionskleidung GoreTex
Gore-Tex Membran Eigenschaften – Quelle: GoreTex

Die Wetterschutzschicht* besteht aus Wasser- und Winddichten Materialien. Am bekanntesten ist hier mit Sicherheit die Gore-Tex* Membran. Sie verhindert das Eindringen von Regenwasser und ermöglicht trotzdem den Abtransport von Schweiß nach außen. Diese Membran ist häufig zusätzlich von einer wasserabweisenden Außenhaut und einem weicheren Innenmaterial ummantelt.

Von Sympatex* gibt es ebenfalls vergleichbare Membranen, welche absolut wasserdicht, sowie winddicht sind. The North Face setzt für seine Wasserdichten Jacken mit Hy-Vent* eine Technologie ein, die ähnliche Eigenschaften wie die vorherigen Membranen aufweist.

Bespiele für diese Jacken sind unter anderem die Berghaus Velum, Haglöfs Gram Comp II Pull oder die günstige Haglöfs LIM III.

Merinowolle

Merinowolle hat im Vergleich zu herkömmlicher Wolle sehr viel feinere Fasern. Dadurch kratzt Merino fast kaum und ist auch sehr viel leichter. Sie ist besonders für ihre Geruchsneutralität bekannt, was auf mehrtägigen Wander- oder Skitouren von enormen Vorteil sein kann. Denn die Textilen müssen deutlich weniger gewaschen werden. Zusätzlich ist sie wie die synthetischen Materialien schnelltrocknend, atmungsaktiv und wärmt selbst im nassen Zustand, womit sie sich perfekt als Basisschicht eignet. Merino Pullover können auch gut als Isolationsschicht genutzt werden.

Hier findest Du den ausführlichen Geruchstest, dem ich meine Merino Unterwäsche beim Skifahren letztes Jahr unterzogen haben.

Weiterführende Links: 

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Wer schreibt hier?

Ich bin Alex. Im Sommer 2014 habe ich meine 7 Sachen gepackt und bin auf der Suche nach einer Auszeit auf dem Traumpfad von München nach Venedig über die Alpen gewandert. Nach diesen 34 Tagen waren die Berge und das (Fern-)Wandern einfach nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Heute bin ich immer dann am glücklichsten, wenn der Rucksack gepackt ist und ich wieder auf Tour gehe. Ich bin chronisch neugierig, interessiere mich für fast alle Arten von Outdoor-Ausrüstung und Outdoor-Tipps. Und das was ich dabei so alles lerne, möchte ich mit Dir hier auf BergReif teilen!

2 Kommentare

  1. Aus welchem Grund ist die Bundeswehrkleidung aus Baumwolle? Ich habe etwas in den Shops geguckt und bin arg überrascht.

    1. Hi Merle,

      Bundeswehrkleidung ist sicherlich eher auf maximale Robustheit ausgelegt. Als Funktionskleidung ist sie daher nicht wirklich zu bezeichnen.

      LG Alex

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