Wetterkunde: 8 Anzeichen mit denen Du schlechtes Wetter vorhersagen kannst

30. März 2016   //   2 Kommentare
Wetterkunde schlechtes Wetter auf dem Stubaier Höhenweg

Ich fand schon immer, das Wetterkunde eine total spannende Angelegenheit ist. Besonders im Gebirge kann es sehr entscheidend sein, wenn man mithilfe einiger Anzeichen eine ungefähre Prognose für den kommenden Verlauf des Wetters erstellen kann. Gerade im Hochsommer, wenn die schwülwarme Luft häufiger Gewitter und kräftige Regenschauer entstehen lässt.

Binnen einer halben Stunde kann der vorher noch blaue Himmel mit massiven Gewitterwolken überzogen sein und ein kräftiger Wind fegt den letzten Gedanken an den anfänglich so schönen Sonnentag ins Tal hinab. Kurze Zeit später zucken die ersten Blitze über den Himmel und werden von schallendem Donnergrollen bedrohlich begleitet.

Ein solches Gewitter ist in den Bergen eine verdammt unangenehme und gefährliche Sache, wie ich letztes Jahr im Trentino feststellen durfte. Mit ein wenig Kenntnis der Wetterkunde, kann man Gewitter oder eine Wetterverschlechterung glücklicherweise relativ zuverlässig mit einfach Hilfsmitteln vorhersagen.

Wetterkunde Gewitter
Gewitter mit heftigem Niederschlag

Bei Tagestouren kannst Du dich beim Alpenverein gut mit den verfügbaren Berichten informieren, ob Regen, Sturm oder Sonnenschein zu erwarten ist. Bei mehrtägigen Touren ohne Zugriff auf einen täglich aktualisierten Wetterbericht, kann es aber sehr hilfreich sein, sich selbst eine kleine Prognose zu erstellen.

Nur hatte ich leider nie das Fachwissen, um mit den aktuellen Hinweisen des Wetters sagen zu können, ob es heute regnet oder sich der Nebel wahrscheinlich auflösen wird und die Sonne zum Vorschein kommt. Daher habe ich etwas recherchiert und versucht ein paar Hinweise zusammen zustellen, an denen Du erkennen kannst, ob eine Wetterverschlechterung eintreten wird oder nicht.

Vorher aber kurz ein wenig Theorie zur Wetterkunde:

Theorie hinter der Wetterkunde

Der Luftdruck bei der Wetterkunde

In der Beurteilung der Wettersituation und deren Entwicklung ist der Luftdruck eine entscheidende und messbare Größe. Er beschreibt kurz gesagt das Gewicht der Luft. Je höher wir aufsteigen, desto geringer wird dieses Gewicht und somit der Luftdruck. Messen können wir den Luftdruck mit einem Barometer in hPA (hektoPascal), welches in einigen Armbanduhren als Höhenmesser integriert ist. Die Werte bewegen sich immer um den mittleren Luftdruck der Atmosphäre von 1013,25 hPa, was ungefähr 1 bar entspricht3 .

In den meisten Fällen herrscht bei schönem Wetter steigender Luftdruck und bei schlechtem Wetter fallender Luftdruck. Dabei ist aber auch die Geschwindigkeit des Anstiegs bzw. Abfalls zu beachten. Aber dazu nachher mehr. In Wetterkarten wird der Luftdruck als Isobaren ( = Linien gleichen Drucks) dargestellt und ist eines der wichtigsten Elemente dieser Karten.

Hoch- und Tiefdruckgebiete

Hoch- und Tiefdruckgebiete sind Luftdruckgebilde, deren Luftdruck sich von ihrer Umgebung deutlich unterscheidet. Die beiden Varianten existieren in ständiger Nachbarschaft1. Bei einem Hochdruckgebiet sinken große Luftmassen hinab und erwärmen sich so stark, dass es zu keiner Kondensation und Wolkenbildung kommt. Daher kommt es in einem Hochdruckgebiet oder bei einem Hoch meist zu sonnigem Wetter.

In Tiefdruckgebieten steigt durch Erwärmung feuchte Luft vom Boden auf und bildet in den kälteren Höhen durch Kondensation Wolken. Somit steht ein Tiefdruckgebiet eher für wolkiges und regnerisches Wetter.

Die nun folgenden 8 Anzeichen sind bei der Erstellung einer eignen Wetterprognose sehr hilfreich, um festzustellen, ob eine Wetterverschlechterung eintreten wird. Eine 100%ige Garantie sind sie dennoch nicht. Denn auch der beste Wetterbericht kann einmal daneben liegen.

Es ist auf jeden Fall immer hilfreich, das Wetter genau zu beobachten und zu schauen, ob die erkannten Anzeichen auch tatsächlich eine Verschlechterung des Wetters korrekt prognostiziert haben.

Wetterkunde Tiefdruckgebiet Island
Tiefdruckgebiet über Island

 

Wetterkunde: Tipps wie Du schlechtes Wetter erkennst:

1. Veränderung des Luftdrucks

Vielen Anzeichen in der Natur, die auf eine Wetterverschlechterung deuten, muss man auch begegnen, um sie deuten zu können. Bei dem Luftdruck sieht das ganze natürlich anders aus. Ihn können wir zu jederzeit mit einem Barometer messen und die Veränderungen über einen bestimmten Zeitraum beobachten. Für eine ungefähre Wetterprognose ist die Veränderung des Luftdrucks eine hilfreiche Größe, da diese Veränderung dem Wetterumschwung in der Regel vorausgeht.

Eine Wetterverschlechterung kündigt sich meist dann an, wenn der Luftdruck abfällt. Wie oben schon erwähnt, ist es aber entscheidend wie schnell der Luftdruck abnimmt. Eine stetige und langsame Abnahme deutet auf das Ende einer Schönwetterperiode hin2.

Prinzipiell gilt: Je schneller bzw. stärker der Abfall des Luftdrucks, desto heftiger verschlechtert sich das Wetter. Fällt der Luftdruck in einer Stunde um mehr als 1 bis 2 hPA, dann sind Sturm und heftige Winde zu erwarten3.

Luftdruck mit dem Höhenmesser bestimmen

Wetterkunde Luftdruck mit Uhr bestimmen
Steigen die Höhenangabe am gleichen Ort, dann fällt der Luftdruck

In den einigen Armbanduhren für den Outdoor Bereich*, ist ein Höhenmesser integriert, welcher durch ein Barometer funktioniert. Dieses Barometer misst den aktuellen Luftdruck und errechnet daraus die wahrscheinliche Höhe über dem Meeresspiegel, da der Luftdruck mit steigender Höhe abnimmt.

Das heißt, dass bei fallendem Luftdruck die Höhenangabe steigt. Umgekehrt sieht es bei steigenden Luftdruck aus, welcher in einer sinkenden Höhenangabe resultiert. Daher kann beim Auf- und Abstieg die Veränderung des Luftdrucks nicht sinnvoll bestimmt werden, da er sich aufgrund unserer Höhenänderung sowieso schon ändert.

Ein sinnvolle Messung kann daher nur gemacht werden, wenn Du längere Zeit auf der gleiche Höhe bleibst. Wie z.B. auf der Hütte oder am Lagerplatz im Zelt.

Die Bestimmung der Luftdruckveränderung ist somit eine der besten Möglichkeiten, um eine Wetterveränderung festzustellen!

2. Cirren können Regen ankündigen

Cirren (Cirruswolken) sind Eiswolken die sich in sehr großen Höhen (8.000 – 12.000 Metern) bewegen. Sie sind oft sie Vorboten einer kommenden Warmfront, wenn sie sich zu Cirrostratusfeldern (Schleierwolken) verdichten. In diesen Fall tritt in den folgenden 48 Stunden eine nachhaltige Wetterverschlechterung ein1.

Sind sie am Himmel nur vereinzelt zu sehen und lösen sich wieder auf, müssen wir keine Verschlechterung des Wetters befürchten.

Wetterkunde Cirruswolken
Verdichten Cirruswolken sich, kündigen sie schlechtes Wetter an

Kondensstreifen von Flugzeugen bestehen wie Cirren ebenfalls aus Eispartikeln und können auch ein Hinweis für unsere Wetterprognose sein. Lösen sie sich nicht auf und „zerfransen“ sehr schnell am Himmel, dann sind starke Höhenwinde vorhanden, welche meist für eine Wetteränderung stehen1.

Für schlechtes Wetter:

GoreTex Jacke Wetterkunde

wasserdichte Regenjacke

ab 69,90EUR

Regenhose Wetterkunde

wasserdichte Regenhose

48,00EUR

Wetterkunde Drybag

Wasserdichte Packsäcke

ab 15,90EUR

Regenüberzug

Rucksack Regenschutz

7,98EUR

3. Flammendes Morgenrot

Unter flammendem Morgenrot versteht man die Beleuchtung von Wolkenfeldern bzw Wassertröpfchen in der Luft durch die noch tiefstehende Sonne. Ist dies am Morgen der Fall, dann erleuchtet die Sonne im wolkenfreien Osten die Bewölkung im Westen. Und da bei uns in Europa das Wetter in den meisten Fällen von West nach Ost zieht, kann die rot erleuchtete Bewölkung im Westen (das „flammende Morgenrot“) als Bote des schlechten Wetters interpretiert werden6.

Wetterkunde flammende Morgenrot

4. Altostratus Wolken kündigen Regen an

Altostratus bezeichnen in der Wetterkunde mittelhohe Schichtwolken, die eine bläulich bis gräuliche Färbung besitzen. Sie bestehen aus unterkühlten Wassertröpfchen und Eiskristallen und haben eine charakteristische konturlose Form7. Hinter diesen Wolken ist die Sonne nur noch leicht zu erkennen. Wie gut sie zu erkennen ist, kann außerdem ein Hinweis auf die Zeit bis zum Beginn des ersten Regens sein7:

  • ca. 9 h – Die Sonne ist ein wenig getrübt, aber mit scharfem Rand durch die Wolkenschicht sichtbar
  • ca. 6 h – Die Sonne ist nur noch als heller Fleck in der Wolkendecke erkennbar
  • bis 3 h – Die Sonne ist ganz verschwunden und unter der Wolkenschicht schweben einige Haufenschichtwolken
Wetterkunde Altostratus
Altostratus Wolken verdecken die Sonne

5. Aufsteigender Nebel

Wie du eben schon erfahren hast, steigen bei sinkendem Luftdruck die feuchten Luftmassen empor. Und dazu zählt auch der Nebel, der Morgens früh noch im entfernten Tal liegen kann. Steigt der Nebel dann im Tagesverlauf immer weiter nach oben, dann können sich daraus Wolken bilden, die anschließend Niederschlag bringen.

Im Gegensatz zu aufsteigendem Nebel ist Nebel, welcher den Tag über unten im Tal verbleibt, ein Zeichen für gutes Wetter. Denn unter einem Hochdruckeinfluss, kann sich die schwere und feuchte Nebelluft nicht weiter nach oben bewegen und Wolken bilden.

6. Amboss-Wolken kündigen Gewitter an

Gewitter können in den Bergen bedrohlich Kräfte entwickeln und sind für Wanderer und Bergsportler eine große Gefahr. Die Anzeichen von Wärmegewittern in den Bergen sind aber glücklicherweise relativ einfach zu erkennen.

Das Gewitter Risiko ist hoch, wenn schon am frühen Morgen hohe Temperaturen und schwül, warme Luft das Klima beherrschen. Die Sicht ist dabei oft diesig und schon früh bilden sich am Himmel türmchen- und zinnenartige Schäfchenwölken6 mit klar erkennbaren Grenzen. Diese haben ein schnelles Höhenwachstum und erinnern an ihrer Oberseite an die Form eines Blumenkohls.

Breitet sich diese Oberseite der Cumulonimbus-Wolke im Verlauf zu einer Amboss-Form aus, ist das ein klares Anzeichen für ein bevorstehendes Gewitter. Zum Beginn der Gewitters kann sich neben Wind und heftigen Niederschlägen auch Hagel gesellen.

Genau diese Bedingungen hatten wir bei unserer Wanderung im Paganella Massiv im Trentino. Gegen 17:00 Uhr kam dann auch das heftige Gewitter. Zu dieser Zeit waren wir aber glücklicherweise wieder im sicheren Camp am Molvenosee.

In diesem Artikel findest Du zusätzlich ein paar Tipps, die Dir das richtige Verhalten bei Gewitter in den Bergen zeigen >>

Wetterkunde Gewitter
Diesige Sicht, schwüle Luft und heiße Temperaturen – Perfekte Bedingungen fürs Gewitter, welches dann auch kam.

7. Wind aus Höhlen und Schächten

Da in einem Tiefdruckgebiet kalte, feuchte Luft vom Boden aufsteigt, ist aus Höhlen und Schächten ein kalter Windzug zu spüren. Denn die Luft aus dem Höhleninneren bewegt sich aufgrund der Luftdruckänderung ebenfalls nach oben und zieht als Wind aus der Höhle hinaus.

Dies ist auch ein sicheres Anzeichen einer Wetterverschlechterung.

8. Aktivität von Tieren

Ganz besonders spannend finde ich die Wetterempfindlichkeit von Tieren. Denn sie reagieren sehr genau auf kommendes Schlechtwetter.

Kühe beispielsweise bewegen sich dann hangabwärts hin zu niedrigeren Weideplätzen, wahrscheinlich um Schutz vor dem drohenden Regen zu suchen. Ähnlich sieht es bei Wildtieren wie Rehen aus, die man vor drohendem Gewitter oder Regen kaum noch außerhalb des Waldes antrifft4. Bienen sind bei Sonnenschein sehr geschäftig und fliegen emsig umher. Halten sie sich jedoch hauptsächlich in der Nähe ihres Stocks auf, droht schlechtes Wetter5.

Bei all diesen Anzeichen muss man jedoch immer das Glück haben, genau dann diese Tiere oder Insekten beobachten zu können.

Weitere Informationen

Wenn Du mehr Informationen zur Wetterkunde suchst, dann kann ich Dir die Lektüre meiner angegebenen Quellen empfehlen!

Jens vom Hiking-Blog hat einen interessanten Artikel zu dem 1×1 der Wettervorhersage geschrieben.

Bei Sven von Aufundab findest Du ebenfalls eine Zusammenstellung der wichtigsten Wettertipps für Unterwegs.

Welche Erfahrungen hast Du mit der Wetterkunde gemacht? Hast Du weitere Hinweise, die auf schlechtes Wetter deuten?

 

__________
Quellen:

1 – Alpininfo
2 – Bolken.net
3 – Luftdruck – Wikipedia
4 – Auf-die-Berge.de
5 – Bergsteiger.de
6 – Trekkingguide
7 – Altostratus – Wikipedia

 

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Wer schreibt hier?

Ich bin Alex. Im Sommer 2014 habe ich meine 7 Sachen gepackt und bin auf der Suche nach einer Auszeit auf dem Traumpfad von München nach Venedig über die Alpen gewandert. Nach diesen 34 Tagen waren die Berge und das (Fern-)Wandern einfach nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Heute bin ich immer dann am glücklichsten, wenn der Rucksack gepackt ist und ich wieder auf Tour gehe. Ich bin chronisch neugierig, interessiere mich für fast alle Arten von Outdoor-Ausrüstung und Outdoor-Tipps. Und das was ich dabei so alles lerne, möchte ich mit Dir hier auf BergReif teilen!

2 Kommentare

  1. Hi Alex,
    guter Artikel, besonders das mit den Wolken fand ich sehr aufschlussreich. Richtest du dich wirklich auf deinen Touren danach?

    Ich hatte übrigens mal einen alten MTB-Tacho von VDO mit Höhenmesser. Fast immer wenn sich hier die Höhe sichtbar falsch verändert hat, gab es einen Wetterumschwung. Hat mir schon so manches Mal geholfen ;)

    Gruß
    Alex

    1. Hi Alex,

      ich versuche schon die verschiedenen Wolkenform immer etwas zu deuten. Aber ganz so einfach sind sie leider nicht immer zu unterscheiden.
      Ah cool. Ja genau, so mache ich das auch immer.

      LG Alex

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