Gewichtet: Die Salewa Wildfire PRO im Kurztest

05. Oktober 2017   //   2 Kommentare
Salewa Wildfire Pro Test Zustiegschuhe

Der Salewa Wildfire Pro * ist ein vielseitiger Zustiegsschuh, der durch seine stabile Sohle auch vor technischen Kletterpassagen nicht zurück schreckt. Auf Wald- und Wiesenpfaden fühlt er sich aber genauso wohl und scheut auch den ein oder anderen Asphaltkilometer nicht. Lediglich bei der Langzeithaltbarkeit der GoreTex Membran und der Atmungsaktivität müssen einige Abstriche gemacht werden.

Salewa Wildfire PRO: Vor- und Nachteile

Vorteile

Nachteile

 Vibram Sohle bietet sehr guter Halt  Membran nur die ersten 200km dicht
 Fuß sitzt sehr stabil im Schuh  lange Schnürsenkel
 Variable Schnürung  Atmungsaktivität eingeschränkt
 Verwindungssteife Sohle…
 …und lässt sich trotzdem super abrollen

Info: Alle Bilder wurden nach den 700 Wanderkilometern gemacht

Einsatzbereich der Salewa Wildfire Pro

Auch wenn Zustiegs- oder Approachschuhe ursprünglich für den Zu- und Abstieg von Felskletteren entwickelt worden sind, finden sie mittlerweile auch unter Bergwanderern immer mehr Freunde. Ob nun Weit- oder Tageswanderung spielt dabei eigentlich keine Rolle. Den Salewa Wildfire Pro habe ich knapp 2 Monate und 700 Kilometer auf einer Alpendurchquerung getragen. Dabei bekam er von Kletterpassagen bis Asphaltstraßen alles unter die Sohle. Selbst auf schwierigeren Bergwanderungen bis zu einem Grad von T4 macht der Wildfire Pro eine gute Figur.

Salewa Wildfire Pro: Details und Spezifikationen

Gesamtgewicht (Größe 46 nachgewogen) 984 Gramm
Obermaterial: Wildleder + Microfiber Forefoot / Exa Shell
Membran: GoreTex
Futter: Atmungsaktives Innenfutter
Sohle: Vibram® Tech Approach EVO
Ausstattung: Megagrip Sohle, Anpassbares Fußbett (MFF+), überlappende Zunge, 3F System
Preis:  ab 120,00 €*

Salewa Wildfire Pro Test: Erster Eindruck und Passform

Die Verarbeitung des Wanderschuhs wirkt beim ersten Kontakt sehr wertig und tadellos verarbeitet. Im Gegensatz zum „Vorgänger“, dem Salewa Wildfire GTX, ist die Zunge überlappend und nur auf einer Seite geöffnet. Das Obermaterial besteht zu 80% aus Wildleder und ist im mittleren Bereich mit einer netzartigen Struktur namens Exashell versehen. Die Schnürung reicht bis zu den Zehen und ermöglicht einen wirklich sehr festen und stabilen Sitz des Fußes im Schuh.

Eine feste Schnürung ist aber nicht unbedingt nötig, um sicher im Schuh zu stehen. Die Passform des Schuhs ist so kompakt, dass der Fuß selbst nach dem Reinschlüpfen schon sicher im Schuh fixiert wird. Auch beim steilen Bergabwandern bin ich nicht nach vorne gerutscht oder mit denen Zehen angestoßen. Im Vergleich zum Wildfire GTX empfinde ich den Sitz der Pro-Variante für meinen Fuß noch optimaler. Der gesamte Schuh fühlt sich zudem etwas steifer und fester an, als sein günstigerer Bruder.

Hinweis:

Der Schuh fällt etwas kleiner aus als üblich. Ich habe daher eine ganze Nummer größer bestellt (46 anstatt 45) und er passt meinem Fuß super.

Die Sohle kommt von Vibram und ist von der Form her identisch mit dem Salewa Wildfire GTX. Auch bei der Pro-Variante des Wildfire werden zwei unterschiedliche Innensohlen mit geliefert. Eine Kurze für breitere Füße und eine Längere für schmalere Füße. Meiner Erfahrung nach ist die Längere vorzuziehen. Denn durch die doppelte Lage scheuert sie mit der Zeit nur sehr langsam durch. Das einlagige Fußbett bekam schon nach circa 600 Kilometern erste Löcher. Diese Löcher sind garantierte Socken-Killer.

Salewa Wildfire Pro Test: Leistung

Die Vibram Sohle des Wildfire Pro bietet durch ihre Gummimischung einen sehr guten Halt auf felsigem Untergrund. Generell fühlt sich der Schuh oberhalb der Baumgrenze auf blankem Stein und Fels am wohlsten. Die Climbing Zone am Vorderfuß ermöglicht auch auf sehr schmalen Tritten noch einen sicheren Stand und ein gutes Abstoßen. Leichte Kletterpassagen können durch das geringe Gewicht zudem leichtfüßig und agil überstiegen werden.

Große Blockwerkfelder sind ebenfalls kein Problem. Sie können sogar dank der Halbschuhkonstruktion leichter bewältigt werden. Denn da sich das Sprunggelenk und der Knöchel freier bewegen können, passt sich der Fuß besser den Schrägen und Unebenheiten des Untergrundes an. Somit kann ein besserer Halt auf der gesamten Schuhsohle erreicht werden.

Aber auch im weniger alpinen Gelände ist der Salewa Wildfire Pro ein sehr angenehmer Wanderschuh. Ob Waldwege, Wiesenpfade, Schotterpisten, Altschneefelder oder löses Geröll: Durch sein gutes Abrollverhalten, trägt sich der Wildfire Pro auch über viele Stunden auf den meisten Wegen sehr angenehm. Nur Asphalt macht ihm keine richtige Freude. Da ist dann aber nur ein reiner Turn- oder Laufschuh komfortabler zu tragen.

Salewa Wildfire Pro Test Zustiegschuhe
Macht auch auf 3538 Metern noch einen schlanken Fuß

Wetterschutz

Über den Wetter- beziehungsweise Regenschutz eines Wanderschuhs mache ich mir keine Illusionen mehr. Denn gerade bei den halbhohen Varianten gelangt nach ein paar Stunden das Regenwasser von oben ins Innere und durchnässt den Fuß. Ob mit oder ohne wasserdichter GoreTex Membran. Nach etwa 200 Kilometern ist diese meist sowieso durch das wiederholte Knicken beim Abrollen vollkommen beschädigt.

Daher rate ich eher zu der GoreTex-freien Variante des Schuhs*. Denn neben einer verbesserten Atmungsaktivität, trocknet ein nasser Schuhe ohne wasserdichte Membran deutlich schneller. So musst Du nach einem regenreichen Vortag nicht in nasse und klamme Wanderschuhe steigen. Ohne die Membran sind die Modelle häufig sogar günstiger.

Haltbarkeit der Salewa Wildfire Pro

Mit der Haltbarkeit der Salewa Wildfire Pro bin ich sehr zufrieden. Nach 700 Kilometern unterschiedlichster Untergründe ist die Sohle noch in einem gutem Zustand. Weitere 700 Kilometer sind sicherlich damit noch möglich. Je weniger Asphalt, desto länger hat man etwas von diesen Schuhe. Denn gerade im Sommer ist der aufgeheizte Teer Gift für die relativ weichen Sohlen der Wanderschuhe.

Abgesehen von der Wasserdichtigkeit, ist der Salewa Wildfire Pro auch sonst noch in einem guten Zustand. Es gibt keine Löcher oder gröbere Abschürfungen an dem Schuh. Das Wildleder Außenmaterial scheint zudem deutlich robuster zu sein, dass das der Wildfire GTX. Dessen netzartige Außenhülle hatte nach dem gleichen Zeitraum gut sichtbare Löcher an der Stelle wo der Fuß tausende Male am Tag abknickt.

Eine Schwachstelle scheinen jedoch die Schnürsenkel zu sein. Nach 650 Kilometern ist mir der Linke im Vorderfuß Bereich gerissen. Dieser Defekt war mit einem Doppelknoten aber schnell wieder zu beheben.

Fazit des Salewa Wildfire Pro Test

Für mich persönlich ist der Salewa Wildfire Pro ein genialer Allrounder, wenn es um mehrtägige (Berg-)Wanderungen geht. Er bietet selbst auf schwierigen Bergwegen und Kletterpassagen noch guten Halt und Sicherheit, rollt aber auch auf Schotter- und Forstwegen gut ab. Somit eignet er sich auch für Hüttentouren optimal.

Die Passform ermöglicht einen satten und fixen Sitz des Fußes im Schuh. Rum- un Verrutschen wir effektiv verhindert. Die GoreTex Membran ist meiner Meinung jedoch eher hinderlich als nützlich. Ohne die wasserdichte Schicht ist die Atmungsaktivität besser und die Trocknungszeit geringer.

Alternativen

Eine Alternative zu der Wildfire Serie von Salewa könnten diese Modelle sein:

Salewa Wildfire Pro Test Zustiegschuhe
Nach 700 Kilometern sind die Wildfire Pro am Mittelmeer angekommen

 

Was hältst Du von dem Salewa Wildfire Pro?
Nutzt Du ebenfalls Zustiegsschuhe zum Wandern?

______
Anmerkung*:  Die Schuhe habe ich selbst erworben und wurden mir nicht vom Hersteller zur Verfügung gestellt! Einige Produkt-Verlinkungen auf dieser Seite sind Affiliate Links für die BergReif eine geringe Provision erhält, falls Du einen dieser Artikel kaufst. Für dich fallen keine Extra-Kosten an. Dies hilft mir bei der Kostendeckung dieses Blogs.

Salewa Wildfire Pro

Salewa Wildfire Pro
9

Gewicht

8.5/10

Tragekomfort

9.5/10

Halt/Grip

9.5/10

Abrollverhalten

8.5/10

Wetterschutz (anfangs)

9.0/10

Pros

  • Vibram Sohle bietet sehr guten Halt
  • Fuß sitzt stabil im Schuh
  • Variable Schnürung
  • Verwindungssteife Sohle...
  • ...und lasst sich trotzdem super abrollen

Cons

  • Membran nur die ersten 200km dicht
  • lange Schnürsenkel
  • Atmungsaktivität eingeschränkt

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Wer schreibt hier?

Ich bin Alex. Im Sommer 2014 habe ich meine 7 Sachen gepackt und bin auf der Suche nach einer Auszeit auf dem Traumpfad von München nach Venedig über die Alpen gewandert. Nach diesen 34 Tagen waren die Berge und das (Fern-)Wandern einfach nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Heute bin ich immer dann am glücklichsten, wenn der Rucksack gepackt ist und ich wieder auf Tour gehe. Ich bin chronisch neugierig, interessiere mich für fast alle Arten von Outdoor-Ausrüstung und Outdoor-Tipps. Und das was ich dabei so alles lerne, möchte ich mit Dir hier auf BergReif teilen!

2 Kommentare

  1. hallo,

    hatte mir für meine E5-Alpenüberquerung die halben Zustiegschuhe von Hanwag zugelegt da ich höhere Schuhe nicht vertrage. Bin damit auch sehr gut über die Berge gekommen. Nur unser Wanderführer war davon nicht begeistert. Er hat es aber erst unterwegs gemerkt, und die Bemerkung „wenn ich das am Startpunkt gesehen hätte, wärst du so nicht mitgekommen“ fiel dann auch.

    Ich habe mich aber immer wohl darin gefühlt, wenn ich auch bei langen Bergab-Passagen (so ab 1000 Höhenmetern) Probleme mit den Knien bekam. Ich glaube aber nicht das dass an den Schuhen lag, eher an zu wenig Bergab Training.

    1. Hi Leo,

      manche Leute scheinen immer noch der Auffassung zu sein, dass hohe Wanderstiefel auf normalen Bergwegen sicherer seien. Aber mittlerweile wurde das selbst von der Wissenschaft widerlegt. Mit halbhohe Wanderschuhe mit einer stabilen Sohle hat man keinen Nachteil beim Wandern in den Alpen.

      Viele Grüße,
      Alex

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